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Herbie Hancock und die Literatur Oktober 10, 2008

Einsortiert unter: Knöpfli's kulturelle Welt — knopfkopf @ 1:39 pm

Auch Knöpfköpfe müssen mal raus und da trifft es sich ja bestens, dass die Jazz-Legende Herbie Hancock letzte Woche nicht nur meine Knöpflein sondern auch meine Öhren beglückte. Was denkt sich ein Knopfkopf wenn er Minute für Minute, Stunde für Stunde, den gewagten Kompositionen und futuristischen Klängen eines Hancock lauscht? Nichts, rein gar nichts und genau darin liegt die Kunst.

War es nicht bereits Gertrude Stein, die uns davon überzeugen wollte, dass Kunst nichts weiter darstellen sollte als “the pure experience”; keine Interpretation, keine Assoziation, keine Symbolik. ‘Moderne’ nennt man das heute und es ist nicht mehr viel übrig von ihr. In unserem Zeitalter der Informationsflut bleibt wenig Raum für die reine, von Vorurteilen freien Aufnahme von Eindrücken jeglicher Art. Die Lesereise von Paul Auster wird doch auch nur dazu benutzt, die deutsche Stellung zum amerikanischen Wahlkampf endlich mal wieder verdeutlichen zu dürfen und den deutschen, ach so kritischen Weltbürger heraushängen zu lassen; wenn es um die eigentlichen Auseinandersetzung mit der Literatur geht, hält man sich dezent zurück.
An jeder Ecke lauert die nächste Information, das nächste Bild, welches vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt ganz nützlich sein könnte und deshalb heißt es:

Aufnahme – Verarbeitung – Verlinkung – Speicherung

Dank Hancock haben meine Knopfkopf-Sinne etwas ganz anderes erlebt. Mein Köpflein hat zwar nach drei Stunden Jazz gedröhnt wie nach einem Sudoku-Marathon, allerdings mit durchaus positiveren Folgen. Mir wurde klar was Stein uns eigentlichen schon lange zuvor erklären wollte, was jedoch leider keiner verstand. In der Kunst sollte es um keinen Zusammenhang, keine Assoziation gehen, davon haben wir im Alltag schon mehr als genug. Viel mehr geht um etwas ganz simples:

Aufnahme – Aufnahme – Aufnahme – Aufnahme

Nicht mehr und nicht weniger. Danke Herbie.

 

Eine Antwort zu „Herbie Hancock und die Literatur“

  1. Franziska Sagt:

    Paul Auster *schwelg*


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